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Predigt Dritter Fastensonntag: Das Pferdefleisch

Predigt Dritter Fastensonntag: Das Pferdefleisch

Ich möchte heute über eine meiner Lieblingsbeschäftigungen reden: übers Essen.

Ich bin kein Vegetarier. Aber ich habe Hochachtung vor vegetarischer und veganer Lebensweise. Diese Leute haben oft ein hohes Bewusstsein über Lebensmittel. Sie leben meist nachhaltig, d.h., sie futtern nicht gedankenlos, sondern achten darauf, wo und wie und wann die Dinge hergestellt und vermarktet werden.

Wie gesagt: ich bin kein Vegetarier und mir schmeckt sogar Pferdefleisch. Ich finde es nicht eklig. Scheinbar ekeln sich besonders die Briten vor Pferdefleisch. Eklig finde ich die Lügner und Etikettenfälscher. Bei so einem Lebensmittel-Skandal wie er gerade wieder abläuft, ist das immer dasselbe: Man sucht mit großer Aufregung die Verursacher. Man sucht die Sünder. Hat man sie entdeckt, dann lehnt sich die Öffentlichkeit entspannt zurück. Sie hat das das Gefühl, die Welt sei wieder ein Stück besser beworden, weil die Bösen gefunden und ausgerottet wurden.

Glaubt ihr, dass nur sie Sünder sind? (Lukas 13, 4)

Im heutigen Evangelium, aus dem dieser Satz stammt, kommt folgende Szene vor: Leute erzählen Jesus erregt von einem Vorfall im Tempel. Der Statthalter Pilatus ließ eine Demo kurzerhand blutig niederschlagen. Leute sind verblutet und – was für einen Juden ein schreckliches Sakrileg ist – das Menschenblut vermischte sich mit dem Blut der Opfertiere. Jesus kommentiert diesen Skandal mit dem Satz: „Glaubt ihr, dass nur ihnen so ein Schicksal passiert, ihr aber sicher seid? Glaubt ihr, dass nur sie Sünder waren? Wenn ihr nicht umkehrt, dann kann euch dasselbe passieren!“

Umkehr. Was sollen wir machen, was sollen wir bei einem Lebensmittel-Skandal denn machen?

Die Umkehr beginnt mit dem Umdenken. Mit dem Bewusstwerden, dass Essen und Trinken nicht unschuldig sind. Fleischessen bedeutet töten. Fleischessen bedeutet nicht, Würstchen aus der Einpackfolie schneiden, sondern wir müssen weiterdenken: ein Tier gibt sich für uns her.

Umkehr beginnt damit, dass wir bei der Kaffeemaschine mit den Kapseln nicht nur an George Clooney denken, sondern weiter denken, nämlich an den südamerikanischen Bauern und an die Kinder – Kinderarbeit! – die die Bohnen pflücken und denen der Preis gedrückt wird.

Ich wünsche mir, dass Christen Vorreiter werden. Die modernen, reichen Gesellschaften in Nordamerika und Nordeuropa scheinen hier Opium fürs Volk zu sein: kauft billig, kauft schnell, esst ohne zu fragen, glaubt ans Etikett! Die Moderne (in der ich gerne lebe) vernebelt und tabuisiert an diesem Punkt.

Ja, wir dürfen Fleisch essen, wir dürfen Kaffee importieren. Ich will euch das Wiener Schnitzel nicht vermiesen, aber ich wünsche mir, dass Christen weiterdenken, dass Christen, die in der Moderne eher als rückständig gelten, gegen die Vernebelungstaktik der Moderne angehen. Plötzlich dreht sich alles um. Die, die klar denken und fair handeln, sind weiter als jene, die sich modern dünken und dumpf konsumieren. Christinnen und Christen: seid gerecht, fair, achtsam! Das ist eure Auszeichnung!

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