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Über sieben Brücken musst du gehn. Predigt zum Sonntag 15.1.2012

Über sieben Brücken musst du gehn. Predigt zum Sonntag 15.1.2012

Ich habe an diesem Sonntag eine sehr gute Nachricht und eine weniger gute Nachricht für dich. Zuerst die sehr Gute: Jeder Mensch bekommt einen Ruf Gottes. Davon bin ich überzeugt, dass du einen persönlichen Ruf, eine Berufung durch Gott hast. Es ist wie eine Aufgabe, die nur für dich bestimmt ist. Gott führt dich einen Weg, der auf dich abgestimmt ist.

Das ist oft kein leichter Weg! Schau doch auf Jesus, seine Jünger oder die, die wir als Heilige verehren. Das sind keine glatten, schaumstoffgepolsterten Biographien.  Das sind oft Wege mit Steinen. Wir stolpern oft. Wir verzweifeln manchmal. Wir wissen manchmal nicht mehr weiter.

Wer diesen eigenen Weg geht, der erfüllt eine Berufung. Die eigene Berufung können die Leute oft nicht formulieren. Denn das ist ein sehr persönliches, innerliches Geschehen, das einem oft die Sprache verschlägt. Erst am Ende des Lebens wird langsam deutlich, warum das alles passieren musste, was passiert ist.

Erst am Ende des Lebens können manche ihre „Lebensaufgabe“ sprachlich benennen. Oft hat dein Weg mit deinem Beruf, mit deinem Ehepartner, mit deinen Freunden zu tun, mit den Kindern, die du bekommen hast, mit dem Ort, wo du wohnst, sogar mit den Gästen, die sich bei dir anmelden.

Wenn du allerdings – immer wieder und immer intensiver – spürst, dass du den falschen Beruf gewählt hast, dann solltest du was ändern. Wenn eine Ehe zur Hölle wird und nicht aufhört eine Hölle zu sein (auch wenn du damals angeblich aus Liebe geheiratet und öffentlich ein Versprechen gegeben hast), dann ist es besser auseinanderzugehen. Wenn du auf Dauer und intensiv spürst, dass du am falschen Ort bist, dann solltest du umziehen, auch wenn es schmerzlich ist.

Die schlechte Nachricht: Wer dem Ruf Gottes nicht folgt und nicht folgen will, der wird erfahrungsgemäß immer härter, aggressiver und einsamer. Dessen Leben wirkt oft wie gebremst, gelähmt, aufgeregt und enthält viel, viel Ärger. Am Ende werden Menschen oft krank und müde. Die Buddhisten sagen das so: dieser Mensch ist nicht im Fluss des Lebens, nicht im QI.

Deshalb liegt viel daran, dass du den Ruf Gottes erkennst und hörst. Die heutige Beispielsgeschichte stammt aus dem Alten Testament. Es ist die Geschichte von der Berufung des Samuel. Ungefähr zwölf Jahre dürfte dieser Bub sein. Er ist Internatsschüler in der Tempelschule in Jerusalem. Sein Lehrer ist der alte Prophet Eli, ein Profi in Sachen Religion. Samuel kommt nachts und weckt ihn. „Du hast mich gerufen!“. Eli (ein wenig ärgerlich): „Geh wieder schlafen, ich habe dich nicht gerufen!“ Als das in dieser Nacht dreimal so passiert, geht dem alten Eli ein Licht auf und er sagt: „Wenn dich die Stimme wieder ruft, dann sage: Sprich, dein Diener hört!“. Die Geschichte endet mit dem lapidaren Satz: Und Samuel wuchs heran und keines der Worte, die Gott zu ihm sprach, ließ Er unerfüllt. Samuel hat seine persönliche Berufung bekommen.

P. Domogalla OFM hat gestern ein nettes Beispiel gepredigt: Wer im Gelände schifährt, muss einen sogenannten „Pieps“ dabei haben. Das ist Vorschrift. Im Falle einer Lawinenkatastrophe kann man den Verschütteten mit dem Pieps orten. Die Leute haben alle einen Pieps dabei, aber, bitte, man muss ihn auch einschalten!!! Sonst funktioniert er nicht, sonst meldet es kein Signal.

Um unseren Lebensweg zu verstehen, zu klären, zu erfahren müssen auch wir unseren inneren Pieps einschalten. Wir sollten ein Gehör entwickeln, ein Gespür für die innere Stimme. Wir dürfen Gott auch bitten, stürmisch bitten, dass er uns sagt, wo es lang geht. Manchmal gibt Gott die Gnade, unseren Weg zu verstehen. Manchmal braucht es drei Anläufe wie bei Samuel. Manchmal verstehen wir gar nichts und alles scheint sinnlos. Dann sollten wir ganz ruhig bleiben und auf Gott warten.

Ich bin sicher, Gott hat eine Berufung und einen Weg für jeden einzelnen Menschen. Du kannst ihm vertrauen ?
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Lasst uns beten für die katholische Kirche, du z. Z. eine Krise bei den Priesterberufungen durchzustehen hat.

Lasst uns beten für jene, die eine schwere Berufung bekommen haben

Lasst uns beten für jene, die sich um den Weg Gottes nicht scheren und auf dem Ego-Trip sind

Lasst uns danken für jene, an denen wir sehen, wie man auf schwierigen Wegen vertraut

Kontakt

Pfarramt Lech | Dorf 15 | 6764 Lech am Arlberg | AUSTRIA | tel. +43 5583 2512 | fax DW-2 | pfarramt@pfarre-lech.at