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Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle wach ... ? Predigt am Sonntag, 29.2.2011

Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle wach … ? Predigt am Sonntag, 29.2.2011

Unser Gehirn hat eine wunderbare Fähigkeit entwickelt: das Planen. Wir Menschen können vorausplanen, „vorausdenken“ und vorsorgen.

Diese tolle Fähigkeit hat aber einen Hacken. Manche Menschen können nicht mehr aufhören, zu planen, zu denken und sich Sorgen zu machen. Besonders das Denken kann in die Falle einer Mühle geraten: sich ständig drehen, nachts Schlaf und Nerven rauben. Eine Frau sagt: „Ich wälze mich ständig in der Nacht und denke, es könnte meinen Kindern etwas passieren!“ Die Kinder sind über 30 Jahre alt. Eine andere Frau aus einem großen Hotel sagt: „Ich kann nicht mehr schlafen, weil der Koch gekündigt hat – und der Hausmeister auch noch“. Gerade die fleißigsten Menschen können in diese schreckliche Gedankenmühle geraten. Die Schlawiner und Schlamperer schlafen nach wie vor gut, denn sie leben sorglos, vermeintlich.

Wenn man das Evangelium heute hört, möchte man am liebsten antworten: Herr Jesus, du warst nie im Tourismus beschäftigt, sonst könntest du nicht so locker sagen: Sorgt euch nicht um das, was ihr zu essen habt! Was nützen uns die Vögel des Himmels und die Lilien auf dem Feld, wenn wir Hochsaison haben und der Koch weg ist!?

Und doch sollten wir dieses Jesus-Wort nicht so zynisch abtun. Es verbirgt sich dahinter etwas Wesentliches. Jesus weiß sehr wohl, dass wir Brot zum Essen brauchen. Aber lebt der Mensch wirklich vom Brot allein? Er weiß sehr wohl, dass wir Kleider brauchen. Aber ist der Leib (ich zitiere den Text) nicht wichtiger als das Gewand? Wenn gutes Essen und schönes Gewand allein glücklich machten, dann wäre Hollywood das Paradies schlechthin. Allein, ich kann es nicht erkennen, wenn ich Nachrichten aus Hollywood lese.

Alle spirituellen Lehrer weisen in eine ähnliche Richtung wie Jesus. Der Buddha hat 600 Jahre bevor Jesus dieses Wort sagte, gemeint: Das Anhaften an die äußerliche Welt, das Haben, Kaufen, Planen und Sorgen bewirkt kein Glück, sondern Leiden.

Glücklich, ruhig und sorgenfrei, das kommt woanders her. Es ist die Geborgenheit, die von innen kommt. Die Christen nennen es „glauben“. Das Vertrauen auf den himmlischen Vater, der Glaube, dass „es recht wird“ wie es ist, der Glaube, dass sein Wille geschehen darf macht dich ruhig, gelassen und – glücklich J In dieser Haltung kannst du deine vielen Sorgen fahren lassen wie vorbeiziehende Wolken. In dieser Haltung entspannen sich verfahrene Situationen und sogar Köche und Hausmeister bleiben länger da.

Plötzlich kannst Du wieder schlafen und deine Kinder und Enkelkinder werden ganz von selbst erwachsen (mit dem ganzen Theater, das du selbst und auch sie durchmachen müssen). Ja, sie kommen dich sogar besuchen, weil du sie nicht mehr nervst mit deinen Idealbildern und sorgenvollen Gedanken. Sie sagen: Mama, Papa, ihr seid ja ganz locker geworden, was ist in euch gefahren!? Dann wirst du sagen: Das Wort Jesu vom Vertrauen ist in uns gefahren. Und wir schlafen seither besser, sogar ohne Schlaftablette.

Jürgen von der Lippe hat mal einen Schlager gesungen: „Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da? Habt ihr auch so gut geschlafen, na dann ist ja alles klar!?“ Nur, er hat keine Lösung für die Sorgen, die am Morgen erwachen. Sein Lied endet tragisch, nach einem Unfall, im Himmel, vor Petrus.

Jesus hat ein Lösung, die wir langsam und stetig einüben könnten: Vertrauen auf den himmlischen Vater statt herumsorgen und auf Morgen denken. Da ich Vögel gerne habe, gefällt mir natürlich der Vergleich: Lebt wie die Vögel des Himmels, schmettert euer Liedchen, ihr Könige des Luftraums! Seid fröhlich! Und die wilden Lilien auf dem Feld, die zwar nur einen Frühling lang blühen, aber so schön sind, dass Textildesigner sie als Vorbild für schöne Gewänder abmalen. Besser wir vergleichen uns mit der Natur als mit der Werbung in den Magazinen.

Sorgt euch nicht um die Dinge des Lebens. Euch soll es um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit gehen. Ich sehe einen fröhlichen Jesus vor mir, der mit einem sorglosen Schlaf gesegnet war. Sogar im Sturm hat er im Boot gut geschlafen, wie du dich erinnerst. Guten Morgen, liebe Sorgen, auf euch pfeife ich. Amen!

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