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Der Dreikönigs-Strudel. Predigt zum Fest Erscheinung des Herrn. 6.1.2011

Der Dreikönigs-Strudel. Predigt zum Fest Erscheinung des Herrn. 6.1.2011

Erscheinung des Herrn 2011-01-06

Ich möchte mit Ihnen einen Dreikönigsstrudel backen. Wie jeder gute Strudel besteht er aus der Fülle und dem Teig (echter selbstgemachter Strudelteig!).

Die Fülle dieses Strudels lesen wir bei Matthäus nach. Er hat das Evangelium des heutigen Festtags geschrieben (Mt. 2, 1 – 12). „Da kamen Sterndeuter aus dem Osten und fragten: Wo ist der neugeborene König? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen.“

Die Weihnachtsgeschichte des Matthäus (zum Unterschied der Weihnachtsgeschichte des Lukas) nimmt die östliche Welt in den Blick, die Astrologen aus Babylon, die Priester des Zarathustra, die Heidenvölker. Hinter seiner Weihnachtsgeschichte verbirgt sich die Aussage: Gott ist diese Welt nicht egal und die Menschen darin auch nicht. Nein, Gott macht sich auf und manifestiert sich selbst in dieser Welt als Mensch. Wer Augen hat zu sehen, möge es doch sehen! Sein Stern ist aufgegangen. Die Heiden sehen das, die Babylonier haben es bemerkt. Warum ihr nicht, warum du nicht?

Diesen Gedanken bettet er in eine Geschichte, von der wir volkstümlich sagen, es ist die Dreikönigsgeschichte. Aber lassen Sie uns genauer hinschauen: Weise aus dem Morgenland, Sterndeuter aus Babylon, die den Sternenhimmel sehr genau kannten, sehen eine neuen Stern am Himmel. Sie machen sich auf und suchen. Einen langen Weg gehen sie, erzählt Matthäus. Zuerst landen sie bei der falschen Adresse, bei König Herodes. Der, erschrocken über einen Konkurrenten, lässt forschen. Diese Forschung in den eigenen heiligen Schriften gibt genau das Ziel der Reise an. Warum seid ihr so blind und erkennt es nicht, obwohl es in euren Büchern steht!? Denkt sich Matthäus. Die Sterndeuter kommen dann an ihr Ziel, das ihnen der Stern zeigt: zu einem Haus (kein Stall!), Maria und das Kind. Sie huldigen ehrfürchtig. Und Geschenke bringen sie, Kostbarkeiten. Der Traum weist sie „einen anderen Weg zurück in ihr Land“.

Diese Geschichte ist der Strudelteig, der alles zusammenhält. Im Laufe der Zeit haben wir diesen Teig ausgezogen, wie man eben einen Strudelteig ausziehen kann, immer weiter, immer größer.

Im 6. Jahrhundert bekamen  die Sterndeuter Namen: Kaspar, Melchior, Balthasar (Mosaik aus Ravenna 565 n. Chr. Die drei Weisen in altpersischer Tracht – ohne Kronen!!!).  Könige wurden wie im 9. Jahrhundert. Um das Jahr 1000 tauchten Reliquien der drei Könige auf. Nach Mailand kamen diese Reliquien nach Köln, und dort liegen sie heute noch. Immer weiter wurde der Strudelteig ausgezogen: im Alpenland kam der Brauch der Sternsingerei auf – mit allerlei Auswüchsen. Nach dem ersten Weltkrieg hatte die deutsche katholische Jugend die grandiose Idee einer Spendenaktion: Sternsingen für die Armen. Wir machen das heute noch und auch hier in Lech. Kinder verkleiden sich als Könige und gehen von Haus zu Haus. Es ist die größte Solidaritätsaktion im deutschen Sprachraum, immer noch größer als alle Weihnachts-TV Shows.

Aber, Schwestern und Brüder, wir möchten einen Dreikönigs-Strudel und keinen riesigen ausgezogenen Teig. Also, lasst uns diese lange, fast 2000 jährige Geschichte zusammenrollen und backen. Aber die Fülle dürfen wir nicht vergessen! Diese Fülle ist das eigentlich Leckere  und macht den Strudel zum Strudel. “Die Fülle” kennen Sie ja: Gottes Sohn ist erschienen und in diese Welt gekommen. Sein Stern leuchtet nicht mehr am Himmel, sondern er leuchtet in den Herzen der Menschen. Es ist wunderbar in seinem Licht zu leben. Ein Strudel ohne diese Fülle wäre eine trockene Angelegenheit. Also, auf die Fülle kommt es an. Guten Appetit!

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