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Gott ist nicht so nett. Predigt am 4. Adventsonntag 2010

Gott ist nicht so nett. Predigt am 4. Adventsonntag 2010

Gott ist leider nicht so nett, wie wir ihn gerne hätten. Gott macht das Leben nicht kuschelweich und polstert die Kanten nicht mit Schaumstoff ab. Gott lässt sich nicht überreden, auch nicht mit Bitten und Betteln, nicht mit Geldspenden, nicht mit großen Kerzen. Die Propheten haben erfahren, dass es sogar gefährlich sein kann, sich mit Gott einzulassen.

Ich nehme gleich vorweg: Es lohnt, Gottes Wege zu gehen. Letztendlich und oft durch viel Tränen und Kampf führen diese Wege ins Licht, in die Ruhe und, wenn wir das mal weltlich sagen dürfen, ins „Glück“. Auch heute sitzen Menschen hier, die einen langen Weg hinter sich haben. Oder einen langen vor sich haben. Gehen Sie ihn! Mit Mut und Vertrauen, wie Josef, von dem wir im Evangelium gehört haben.

Josef, den wir den Nährvater Jesu nennen, den Mann Marias, hat eines Tages diese unglückliche Geschichte mit seiner Verlobten Maria mit Hilfe seines Hausverstandes und einer selbst ausgedachten schnellen Lösung beenden wollen. Ich verlasse sie im Stillen, dachte er. Aber, da kam ihm Gott in die Quere. Er sandte einen Engel mit einer Botschaft.

Solche Botschaften, von denen wir merken, dass sie nicht nur aus unserem Hausverstand und aus dem Gedankentrend der Gegenwart stammen, diese Botschaften können von oben kommen. Jedem Lebewesen gibt Gott seinen Engel mit, der ihm von mal zu mal was „flüstert“. Aber wie gesagt, diese „Engelsflüstereien“ sind weder esoterisch wohltemperiert, noch sind sie logisch. Solche Botschaften können sehr sperrig und herb sein.

„Nimm Maria als deine Frau zu dir!“ Josef kam sich vor wie ein „gehörnter“ Bräutigam. Seine Verlobte schwanger, das Kind nicht von ihm, die Nachrede im Dorf und (das ist jetzt meine private Bibelauslegung) die Enttäuschung über seine große Liebe. Wie konnte sie das ihm antun!? Es spricht von Edelmut, dass Josef die Verlobung im Stillen lösen wollte, keine öffentliche Anklage erheben und kein beleidigter Bräutigam spielen wollte.

In dieser Nacht aber kommt sein Engel und weist ihm einen anderen Weg. Einen Weg, der Größe braucht, noch mehr Edelmut und viel, viel Vertrauen. „Nimm diese Frau an und gib DU dem Kind den Namen!“ Josef erwachte – und tat es.

Der Weg ist nicht leicht, aber es ist der richtige Weg. Josef ist die Gestalt des vierten Adventsonntags. Dieser stille Mann hat mehr Weihnachtspower als alle großen Weihnachtsaktionen sonst. Dieses Vertrauen muss erst einer mal aufbringen!

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