Heute ist das Glück gekommen. Jesus und der Zöllner Zachäus. Predigt am 31.10.2010
Ich war und bin kein guter Fußballspieler. Darüber bin ich richtig unglücklich, weil ich Fußball mag. Teamgeist, Laufen, Rufen, Frischluft, grüner Rasen und ein Tor, ein großes Ziel. Eine überschaubare Gruppe von Spielern, mit denen man feiern kann und ein Schiedsrichter, auf den man die ganze Wut abladen kann, wenn man verloren hat. Das alles sind gute Voraussetzungen für einen spannend-entspannenden Samstagnachmittag. Fußballspielen hat was Männliches, Gemeinschaftsförderndes und sehr Emotionales. Aber ich kann es eben nicht gut, leider!
Als ich im Bundesgymnasium Bregenz Schüler war, wurde im Turnunterricht Fußball gespielt. Und das ging so: es wurden zwei Teammänner ernannt, die abwechselnd Mitspieler aufrufen durften. Ich war meistens, gemäß meiner Fähigkeiten, unter den letzten. Einmal jedoch gab es eine Überraschung. Es war in irgendeiner Turnstunde. Ein Teammann, der mir aus irgendeinem Grund nicht so sympathisch war, gab mir einen „Pass“, den ich in ein Tor verwandeln konnte. Es war ganz deutlich, dass er mir den Ball gönnte, denn er selbst hätte auch ein Tor schießen können. Die ganze Klasse war einen Moment lang in der Schockstarre, dass ich ein Tor geschossen habe (was es dann auch nie mehr wieder gegeben hat). Dem Bub habe ich das nie mehr vergessen und später ist daraus eine Bubenfreundschaft entstanden.
Genauso ergeht es im heutigen Evangelium dem Herrn Zachäus. Von Beruf ist er Zöllner und das sagt schon ziemlich viel aus: Kollaborateur mit der Besatzungsmacht, erpresserischer Zollhandel, Herumstochern in Koffern, Taschen, privaten Dingen usw. Alles in allem ist Herr Zachäus den Leuten unsympathisch bis ins Mark. Sie mögen diesen Kerl nicht und wollen mit ihm und seiner Familie nichts zu tun haben.
Aber genau er, der sich im Baum verkrochen hat, er bekommt von Jesus einen Ball zugeworfen. Jesus registriert den kleingewachsenen Mann im Baum. Zu ihm, den sonst keiner berühren mag, sagt Jesus: Zachäus, heute Abend möchte ich bei Dir essen! Zachäus ist von den Socken, eilt nach Hause und richtet alles her. Als Jesus dann wirklich ins Haus kommt, passiert, was in einem Menschenleben selten, höchstens zweimal passiert: er kehrt um. Er verwandelt sich. Er bekehrt seine Existenz, er wird von innen heraus ein neuer Mensch mit neuen Handlungsansätzen und anderen Einstellungen. „Die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen!“. Was für ein Satz für jemand, der bislang ein gieriger Beamter war! „Und wenn ich zuviel verlangt habe, gebe ich es zurück!“ Welch eine Bekehrung, was für ein Umdenken! Deshalb steht groß und machtvoll dieses Wort am Ende des Evangeliums: Heute ist diesem Haus das Heil widerfahren. Heute ist hier das Glück eingekehrt.






