SUCHEN und Finden. Predigt vom 12.9.2010
Solange wir Menschen suchen, sind wir nicht verloren. Wenn wir nicht mehr suchen, geht es mit uns zu Ende. Leben ist Suchen. Leben ist nicht nur Haben und Besitzen, sondern vielmehr Suchen und – manchmal – Finden. Das Baby sucht die Mutter, der junge Mensch sucht das Abenteuer, der Wanderer die Heimat, der Bergsteiger den Gipfel, der Student den Abschluss, der Sesshafte den Auszug, der alte Mensch den Frieden, der Sterbende die Erlösung. Das ganze Leben ist ein Suchen.
Wer den Autoschlüssel verlegt hat und in einer halben Stunde beim Arzt in Bludenz sein muss, weiß, wie verzweifelte Suche aussieht; panisch, wild, unkontrolliert und blind. Im Stress ist man so blind, sodass man gar nichts findet. Braven Katholiken fällt dann der Hl. Antonius ein, aber Antonius lässt sich nicht stressen, er hilft, wenn er hilft langsam und gemächlich.
Auf der Suche nach dem Lebensglück gibt es den Irrweg „Sucht“. Sucht ist ein gieriges Suchen nach einem Mittel, das befriedigt (Alkohol, Internet, Casino, Sex, Tabletten…). Den Unterschied zwischen süchtigem und wertvollem Suchen findet man im heutigen Evangelium: es ist die Freude. Der Hirt mit seinem verlorenen Schaf und die Frau mit ihrer verlorenen Drachme sind beim Wiederfinden ganz weg vor Glück. Süchtige Menschen werden nicht glücklich, sondern für kurze Zeit befriedigt. Dann geht’s wieder los mit der Sehn-Sucht.
Wirklich gute Suche richtet sich auf etwas Wertvolles. Auf einen Menschen, ein Wunschkind, das Zurückkommen eines Familienangehörigen, einen neuen Arbeitsplatz, einen Wohnort, eine Charakteränderung, ein Lebensziel, ein Projekt, die Gesundheit, eine große Liebe.
Gute Suche ist nicht hektisch; ihr Ziel ist vernünftig und, wenn es sein muss, korrigierbar. Gute Suche ist ohne Druck. Die Paare, die bei mir heiraten, frage ich immer nach ihrer Liebesgeschichte und sie erzählen, dass sie ihre Partner oft auf wundersame Weise, zufällig und ohne Druck gefunden haben. Ihre innere Stimmung war einfach eine Sehnsucht. In keinem Fall war es ein verkrampftes Suchen mit Torschlusspanik. Verbissene Menschen sehen einfach unattraktiv aus.
Die beiden kleinen Gleichnisse des heutigen Evangeliums haben als Schlussakkord die Freude. (Ich wählte die Kurzfassung ohne das große Gleichnis vom verlorenen Sohn oder barmherzigen Vater). Ein Schaf, das dem Hirt so wertvoll ist, dass er für einige Stunden die Herde den Hirtenhunden überlässt und den ganzen Weg zurückgeht in der Hoffnung, dass er es wiederfindet. Eine Frau, die eine ihrer Goldmünzen sucht. Ich vermute, dass es ich um einen Halsschmuck, eine Kette aus polierten griechischen Goldmünzen (Drachmen) handelt. So ein Häkchen kann mal aufgehen. Die schönheitsbegeisterte Frau bemerkt beim Nachpolieren ihrer Goldmünzen sofort, dass eine fehlt und beginnt eine große Suchaktion im ganzen Haus. Alles andere bleibt liegen und wird unwichtig (auch das Mittagessen für den Mann). So wie Jesus das erzählt, spürt man förmlich die Freude und den Seelenfrieden, die diese Frau nach dem Wiederfinden erfüllen.
Jetzt kommt die Pointe des Evangeliums: Gemeint sind ja letztlich nicht nur Schafe und Münzen! Gemeint bist ja Du! Um wie viel mehr wert bist du als ein Schaf und eine Goldmünze! Um wie viel größer ist die Freude im Himmel, wenn einer von euch, der verloren war, wiedergefunden wird!
Der hl. Antonius von Padua ist der Patron der Suchenden. Er hat im Repertoire nicht nur die Gegenstände des Alltags, sondern auch jene des großen Suchens: eine verlorene Liebe, einen verlorenen Glauben, einen verlorenen Menschen, einen verlorenen Frieden. Aber auch, wenn einer Gott verloren hat!!! Denn das ist sicher: Gott sucht dich und wartet auf dich unablässig. Die Frage ist, ob DU heimkehrst und dich finden lässt!?
In diesen Dingen dürfen wir, egal wie „dick oder dünn katholisch“ man ist, durchaus einmal den Hl. Antonius von Padua bitten: Hilf mir, das Wichtige im Leben zu finden. Oder Eltern: Hilf unseren Kindern, dass sie Gott nicht verlieren. Oder Jungendliche: Hilf mir, gelassen zu bleiben und einen guten Freund zu finden…






