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Leben als Luxusreise – von Höhen und Tiefen. Predigt am 6.6.2010

Die einen machen eine Fahrt ins Blaue, die anderen eine Fahrt in den Tod. Das sieht man manchmal auf Autobahnen: auf der gegenüberliegenden Spur Blaulicht, Polizei, ein zertrümmertes Auto oder Motorrad, zugedeckte Leichen. Und ich fahre auf der anderen Spur in den Urlaub.

Schreckliches und Schönes liegen oft nah beieinander.

Gestern war ich in Bregenz bei einer Hochzeit: junge Leute, schöne Musik, Lachen, Tanzen und Fröhlichkeit. Bei dieser Gelegenheit besuchte ich nach der Messe eine mir von früher bekannte Frau im Krankenhaus in Bregenz. Ich bin erschrocken, wie alt sie geworden ist und wie schlecht sie ausschaut. „Ich hatte nie eine Familie, ja, dieses Glück hatte ich nie, es hat nicht geklappt“ sagt sie.

So nah lagen gestern Glück und Verzagtheit beieinander.

Das heutige Evangelium schildert zwei Spuren, zwei Menschengruppen, zwei Richtungen von Leben. Der eine Trupp wandert mit Jesus in die Stadt Nain hinein. Sie kommen ans Stadttor. Es sind lauter junge Leute, charismatisch und voller Enthusiasmus, Jesus ist ihr Rabbi. Zur gleichen Zeit kommt aus Nain ein anderer Trupp, ein Leichenzug. Der einzige Sohn einer Witwe, wie es heißt. Viele begleiten sie, denn das ist ja wirklich ein schlimmes Schicksal, wenn eine Mutter ihr Kind begraben muss. Es nehmen viele Leute Anteil.

Normalerweise gehen die zwei Züge aneinander vorbei, so wie wir auf den Autobahnen aneinander vorbei fahren. Die fröhlichen Jungen wollen mit den trauernden Alten nichts zu tun haben. Aber Jesus stoppt den Leichenzug, berührt die Bahre und fragt nach.

Dann sagt er das Wort: Steh auf! Er sagt nur „Steh auf“ und, so ist es geschrieben, der Tote stand auf. Alle stehen verdattert da und Jesus gibt den Sohn seiner Mutter zurück.

Ob wir das jetzt, so wie geschrieben, glauben mögen oder nicht, dahinter könnte eine Grunderfahrung stecken, nämlich die Überraschung, dass nicht alles berechenbar ist. Das Leben hat seine Überraschungen. Manchmal entpuppt sich das Schmerzvolle als das Heilsame, das Schreckliche als das Glück. Manchmal wenden sich Schicksale. Manchmal genügt nur ein kurzes Wort, wie z.B. Steh auf! Und Menschen kriegen wieder Kraft und Hoffnung. Könnte es sein, dass nicht alles auf unsere Kraft zurückzuführen ist? Könnte es sein, dass manchmal Gott einbricht in den kläglichen Alltag? Könnte es sein, dass plötzlich die Spuren sich kreuzen und es verbreitet sich etwas ganz Leichtes und Sonniges? Wie wenn am Morgen die Sonne aufgeht statt die Wolken?

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