Ich zaubere mir das Brot herbei. Predigt am 1. Fastensonntag
Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher,
und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger.
Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot.
Lk 4.1 ff
Die erste Versuchung des Teufels ist das Brot. Diese Versuchung ist raffinierter als es auf den ersten Blick scheint. Denn es geht nicht nur um den Hunger und ein Stück Brot. Das würde Gott uns allemal gönnen. Es geht um Zauberei: mach aus Stein Brot. Es ist die alte alchemistische und zugleich sehr moderne Versuchung, aus niedrigem Material auf schnellem Weg Hochwertiges zu erzeugen (oder billigen Schund teuer verkaufen). Meine Ministranten fragen manchmal ironisch: warum können Kaugummis nicht auf einem Gummibaum und die Schokoriegel nicht im Garten wachsen? Das können sie genauso wenig wie man Brot aus Stein backt.
Brot, so sagt das erste Buch der Bibel, dafür rackert sich der Mensch ab – im Schweiße seines Angesichts. Der Mensch bekommt sein Brot, wenn die Natur es wachsen lässt und der Mensch es ernten darf. Brot ist keine Magie, sondern Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Deshalb gibt es Erntedank in Israel und das Gefühl der Dankbarkeit und deshalb gibt es die immer neue Hoffnung auf das Land wo Milch und Honig fließen (heutige erste Lesung aus dem Buch Deuteronomium).
So ist das: wir können weder Brot aus Steinen, weder die Liebe noch das Glück, weder die Gesundheit noch den Frieden zaubern. Bei all diesen Dingen müssen wir warten, bis es reif ist. Manch frisch Verliebter würde gerne das Herz seiner Angebeteten verzaubern können, aber, wenn die nicht geneigt ist, nützt kein Zauber und kein Wodoo. Wenn die Gesundheit trotz allem medizinischen knowhow nicht kommen will nützt oft nur Betthüten, warten und beten. Manches muss lange ausleiden und ausheilen können. So ist das, und alles andere ist vom Teufel.
Ein bisschen erinnert mich diese Versuchung an die viel besprochene Finanzkrise des letzten Jahres, an das schnelle Geld, an diese Luft-Kredite, mit denen manchen Amerikaner Häuser gebaut haben. Das Scheinsystem fiel am Ende in sich zusammen (Lehman Brothers).
Und es erinnert mich an Drogen. Menschen, die Wohlgefühl und Entspannung auf chemischem Weg erzeugen. Das geht auf Dauer schief. Oder die Droge Alkohol. Ich kannte einen jungen Mann, der jedes Wochenende betrunken war. Einmal fragte ich ihn, warum er das macht. „Damit ich Mädchen kennenlerne.“ Ja, irgendwelche Mädchen wird er kennenlernen, aber eine Frau fürs Leben wird er so nicht erobern. Eine Frau, mit der man durch Dick und Dünn geht, ein Haus und eine Familie aufbaut lernt man nicht „unter Alk“ kennen. Dieser Weg ist zu kurz.
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Schnell satt werden ist der Weg Jesu nicht. Das Glück, das Gott bereiten kann ist weder billig noch als Schnäppchen zu haben. Manchmal führt der Weg durch die Wüste, durch einen Mangel und durch einen Hunger. Aber der Weg Gottes lohnt sich tausendmal. Es ist unglaublich: Er macht satt, mit und ohne Brot, er macht sicher, auch wenn wir fallen. Auch wenn mir nicht die ganze Welt gehört (das ist die zweite Versuchung des Teufels an Jesus) gehört sie mir doch. Ich war heute auf dem Kriegerhorn Schifahren, die Sonne brach durch die Föhnwolken, der Wind blies mir um die Ohren. Es war gewaltig. Und das alles darf ich sehen, schmecken und genießen. Ich verkaufe meine Seele nicht dem Teufel, sondern bin zufrieden mit der Langsamkeit der Natur, der Unsicherheit hier auf Erden, und der Hoffnung auf Gott. Amen.






