Eine Sperrmüllpredigt
Zum Sonntag der Weltkirche 2009 und zum Evangelium vom reichen Jüngling, der traurig wegging, als Jesus ihn aufforderte sein Zeug zu verkaufen.
Einmal habe ich einem Freund beim Umzug geholfen. Er hatte vierzehn altmodische Pullover, die mussten beim Umzug mit. Auf meine Frage, warum er das „alte Zeugs“ aufbewahrt, sagte er: einer ist ein Geschenk von Tante Mizzi, einer wurde von meiner ersten Freundin gestrickt, einen habe ich in Irland selbst gekauft und einer ist mir ans Herz gewachsen. Angezogen werden sie allesamt nie mehr werden, aber sie werden aufbewahrt.
Souvenirs in allen Ehren, aber sie können auch ganz schön belasten. Viele Dinge nehmen Raum weg (bei dem Quadratmeterpreis in Lech eine teure Sache!) und es schwächt. Das ist interessant! Psychologen sagen, dass zu viele gelagerte Gegenstände ein Gefühl der Schwäche vermitteln, und dieses Gefühl wird dann auf andere Lebensbereiche übertragen (simplify).
Besonders fatal sei das Ablagern in Schlafräumen, sagen sie. Da in der Regel keine Fremden ins Schlafzimmer kommen, ist es sehr verführerisch dort allerlei zu stapeln: unterm Bett, hinterm Bett, in den Schränken. Dann wird der Schlafraum, in dem die Last des Tages abfallen und der Himmel der Träume und der Liebe sich öffnen sollte zu einem zugestopften Kramlager.
„Geh, verkauf, was du hast! Gib das Geld den Armen, dann komm und folge mir nach!“. Lebensberatung Jesu.
Nicht nur Lebensberatung, sondern dringender Aufruf. Mit einem zu großen Koffer kommt man nicht ins Himmelreich, weil die Tür dorthin eng wie ein Nadelöhr sei. Es lebt sich freier, wenn auch die Wohnung frei ist. Wenn die Wohnung nicht zugestopft ist, kann das Herz frei werden. Wenn das Herz durchatmen kann, sind wir schon nahe bei Gott.
Bekannterweise hat das letzte Hemd ja keine Taschen. So bleibt alles zurück und ist für die Nachfahren eine Belastung über den Tod hinaus. Schauen Sie doch mal wie das geht! Die alte Frau stirbt, dann kommen die Erben, holen einen LKW und werfen alles hinauf. Oft kann man es nicht mal verschenken, weil es keiner haben will. Nach der Entrümpelung sind die Enkelkinder genervt und müde, und der Schlussgedanke dieses Lebens ist: „Mann, hat die viel Glump!“ Möchten Sie, dass das der Schlussgedanke ihrer Enkelkinder ist?
Eine Erfahrung aus den Missionswissenschaften (weil wir ja heute Weltmissionssonntag feiern): Missionare, die ohne Dinge kamen wurden die beliebtesten. Entwicklungshilfe mit dem Import vieler Traktoren war nicht erfolgreich, als Beispiel aus dem Senegal. Die Traktoren stehen heute noch als Rostruinen in der Gegend herum. Entwicklungshilfe als know-how, das heißt als Wissen wie ich richtig mit Holzpflug und Esel pflüge, wie ich Brunnen mit Schaufel und Spaten bohre, wie ich Kinder richtig ernähre oder wie ich Frauen und Kinder schütze (Marion Burger) usw., diese Missionen sind erfolgreich.
„Geh, verkauf was Du hast und dann komm!“ Wir können den christlichen Glauben auch so verkünden: eine neue Einfachheit, eine Zufriedenheit mit Wenig, richtig Schenken, immaterielle Geschenke, von Ausflug bis Konzertkarte und die wertvollsten immateriellen Geschenke: Zeit und Gebet. Ich bete für dich, ist ein sehr wertvolles Geschenk ab 30. Ich verstehe, dass für einen Siebenjährigen der Plastikhubschrauber wichtiger ist als ein Gebetsversprechen, aber die Spielzeugkiste meiner Neffen überzeugt mich nicht. Sie scheint zu langweilig zu sein, obwohl sie so übervoll ist. Da haben wir es: letztlich ist das viele Zeugs Gerümpel und führt nicht zum ewigen Leben.






